Friedrich Buhl - 1/3 move
Bei den allerersten Filmvorführungen
rannten einige Zuschauer entsetzt aus dem Kino, weil
sie die Grausamkeit der angeschnittenen Menschen auf
der Leinwand nicht ertrugen.
Bei der interaktiven Videoarbeit 1/3 move ist die Projektionsfläche
in drei horizontale Streifen unterteilt. Auf den drei
entstandenen Teilflächen werden kurze Sequenzen
aus verschiedenen Filmen gezeigt. (Aufteilung in Kopf,
Torso- und Beine) .
Ton und Bewegung geschehen abwechselnd auf unterschiedlichen
Ausschnitten der Projektionsfläche, während
die beiden anderen Flächen ein Standbild der letzten
Filmsequenz zeigen.
Die Abfolge der einzelnen Filmsequenzen wird durch die
Bewegeung der Betrachter im Ausstellungsraum manipuliert
und gesteuert. So entstehen drei immer wieder neue,
von einander unabhängige Handlungsabläufe,
welche vom Bertachter als Ganzes neu interpretiert werden.
Daniel Kluge - concrete air
The pigmentation of the city is a fine
mixture of utterly fragmentated acoustic and visual
signals, projections, disintegrations. It might present
itself to a stranger as an inaccessible unit, a surface.
Only if you look closer, every detail starts to interact
with the watching individual. Eyes and ears experience
an mass of signs. The urban experience is always subjective,
dependent on time, place and on the perspective of the
individual with his own personal history. Every event
today is unique but becomes history in the future and
part of the aura of a city. The real city becomes a
symbolic space, a hallucination with its redundant narratives,
with its broken rhythms and cacophonies. Imagine the
city as an interactive work of art constantly changed,
manipulated, distorted, by the triggering impact of
passers-by. This is what will be formed in the installation
concrete air.
What you see:
techno-aesthetics of an urban phantasmagoria - houses
projected onto five screens, filmed in London over a
period of two months (May/June 2002). The images morph
from day to night, behind the windows there are minimalist
movements.
What you hear:
a sound cast overlaid by a multiplicity of interactive
tracks of noises of the city as well as voices. Short
narratives which give us an insight in moments of urban
living. Passers-by trigger and recombine the atmospheric
noises and fragments of nine short-stories with the
movement of their bodies while stepping on pressuremats
which are scattered around the room.
Sound, image and narratives are run in equally important
parallel streams. The stories don't give a leading perspective,
there is no narrator overlooking the events.
Like during a walk through a real city the visitor of
concrete air keeps his own perspective and experiences
a unique version of the events.
The city is never static, its text is endlessly re-composable.
There is no final coherent story, there is no objectivity.
There is just a set of voices around an axis of sound
and vision, which you perceive as a construction by
your senses.
(Katarina Agathos)
Björn Hausner - The Average Expectation
aus der Reihe GOD TOLD ME TO
Der künstlerische Herstellungsprozess
in Verbindung mit digitalen Medien wird als Werkzeug
der eigenen Kreativität verstanden. Eine digitale
vorliegende Kopie zur Weiterverarbeitung scheint das
ideale Ausgangsmaterial zu sein, um eigene Ideen und
Zielsetzungen in der künstlerischen Arbeit zu folgen.
Das Dokumentieren von Ereignissen, deren anschließender
Bearbeitungen, sowie deren Verbreitung ist ein festes
Stilmittel im Medium Videokunst geworden. Digital vorliegende
Daten lassen sich ebenso beliebig variieren, als auch
verwerfen. Dies ist das Thema der künstlerischen
Arbeit "The Average Expectation" von Björn
Hausner.
Als Metapher für künstlerische
Tätigkeiten in unserer Gesellschaft werden Performancekünstler
auf der Straße angesprochen, an dem künstlerischen
Projekt von Björn Hausner mitzuwirken. In einer
inszenierten Filmhandlung treten diese Performancekünstler
auf, wie man sie an öffentlichen Plätzen,
von der Umgebung isoliert, vorfindet. Der Entstehungsprozess
der einzelnen künstlerischen Tätigkeiten werden
von Björn Hausner in einem Studio vor einem neutralen
schwarzen Hintergrund filmisch dokumentiert. Durch digitale
Bearbeitung des Filmmaterials erscheinen im Bild mehrere
Künstler gleichzeitig. So entstehen mehrere Filme,
die Tätigkeiten der einzelnen Künstler nebeneinander,
zeitlich voneinander getrennt, darstellen. Es ist vergleichbar
einer Choreographie von unterschiedlichen künstlerischen
Entstehungsprozessen, welche erzeugt werden. Die Filme
werden im Ausstellungsraum über 3 Videoprojektoren
als eine einzige Projektion vom Zuschauer wahrgenommen.
Durch diese mehrteilige Projektion wird die Isolation
der Künstler aufgehoben - die eigentliche künstlerische
Darbietung wird jedoch nicht gezeigt, sondern in Verbindung
mit dem Entstehungsprozess der Filmdokumentation, ähnlich
einem "Making of" bei Filmproduktionen. Man
sieht die Künstler nebeneinander anwesend, wie
sie sich auf ihren zukünftigen Auftritt vorbereiten,
bzw. auf Anweisungen von Björn Hausner reagieren,
ohne dem eigentlichen Zweck Ihrer Tätigkeit folgen.
Gleichzeitig wird die künstlerische Intension von
Björn Hausner zugunsten der künstlerischen
Haltung der gezeigten Personen aufgegeben. Das ursprüngliche
kommerzielle Anliegen der Künstler wird nicht gezeigt,
das Auftreten der Künstler als ein befremdend und
sinnlos vom Zuschauer empfundener Akt empfunden.